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August Redell †

100 Jahre Kaiser-Wilhelm-Denkmal

Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal wurde zur Erinnerung an die im Jahre 1871 erfolgte Einigung der deutschen Länder im Deutschen Reiche errichtet. So schlicht, wie wir es heute vor uns sehen, war es anfangs nicht gedacht. Nachdem im Jahre 1890 von Norderneyer Kurgästen die Errichtung dieses Denkmals angeregtworden war, hatte der zur Förderung des Denkmalgedankens gebildete Ausschuß sich entschlossen, von hergebrachten Kaiserstandbildern abzusehen und, um ein bauliches Werk zu erhalten, einen Architekten mit dem Entwurf zu betrauen.
Kein geringerer als der Erbauer des Reichstagsgebäudes, Geheimrat Wallot, legte im Jahre 1891 einen entsprechenden Plan vor. Der großzügige Entwurf dieses Baumeisters sah als Standort des Denkmals den Meeresstrand vor. Aus einem breiten, monumentalen Sockel herauswachsend, sollte der Obelisk von See aus als Wahrzeichen Norderneys schon von weitem sichtbar sein.
Der Strand vor den "Bremer Häusern" , dort wo heute die Hochhäuser stehen, waren vom Denkmalsausschuß hierfür vorgesehen. Der Wallotsche Entwurf veranschlagte die Kosten für das Denkmal auf 40. 000 Mark. Da jedoch die Mittel für diesen Kolossalbau nicht aufzubringen waren, entschloß man sich, nachdem durch Sammlungen und Spenden ca. 18. 000 Mark zusammengekommen waren, das Denkmal den örtlichen Verhältnissen entsprechend in einfachem Rahmen zu halten.
Der Gedanke der Einigung der deutschen Länder wurde dadurch symbolisiert, daß Städte aus allen deutschen Gauen Bausteine für das Ehrenmal stifteten. Der hannoversche Bildhauer Georg Küsthardt wurde beauftragt, unter Berücksichtigung des Wallotschen Obelisken, das Denkmal zu schaffen. Sein Werk sollte eine Zierde des Bades Norderney werden. Die Stirnseite des Denkmals schmückte eine Büste Kaiser Wilhelms I. , die im Weltkrieg geopfert wurde. Eine vom ehemaligen Reichsmarineamt gestiftete Ankerkette diente als Einfriedigung. Die Büste wurde später durch eine steinerne Möwe ersetzt.
Im Jahre 1898 erfolgte die Grundsteinlegung und im darauffolgenden Jahr die Enthüllung, an der als Vertreter des Kaisers Exzellenz Admiral Karcher teilnahm. Der Kaiser selbst hat sein Denkmal nie zu Gesicht bekommen. Auch die Benennung einer Straße nach ihm, an jenem Standort, wo ursprünglich der Obelisk aufgestellt werden sollte, der noch heute so genannten Kaiserstraße "ließ ihn kalt". Er ist nie auf die Insel gekommen. Für den Bau des Erinnerungszeichens wurden die von folgen 60 Städten gestifteten Steine verwendet:
Aachen, Altona, Altenburg, Aschaffenburg, Baden-Baden, Barmen, Beuthen, Brandenburg, Bremen, Bonn, Chemnitz, Dresden, Elberfeld, Elbing, Ems, Erfurth, Erlangen, Essen, Fehrbellin, Flensburg, Frankfurt am Main, Freiburg i. B. , Freiburg i. S. , Gera, Görlitz, Hagen, Halle, Hamburg, Hannover, Kaiserslautern, Kassel, Kempten, Kiel, Kissingen, Köln, Königsberg, Krefeld, Leipzig, Lübeck, Mannheim, Mansfeld, Metz, Mülhausen, München, Neuwerk, Nürnberg, Offenbach, Piesberg, Plauen, Pforzheim, Posen, Rostock, Schweinfurth, Spandau, Straßburg, Ulm, Weimar, Wiesbaden, Würzburg.
Das Gewicht dieser Felsblöcke betrug insgesamt 2000 Zentner. 1989 wurde das Denkmal erstmals seit Errichtung mit Sandstrahlgebläse gereinigt. Im Jubiläumsjahr wurden darüberhinaus die alten Inschriften restauriert. Kleine und große, eckige und gerundete, geglättete und unbehauene Steine sind vom Künstler zu sinnvoller Gestalt gefügt, und der Mörtel bindet die Quadern so fest, daß das Gefüge jedem Sturm und Wetter trotzt.

 

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